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Am Anfang war der Streik

t_IKKAg3_400x400In Israel versucht der kleine Gewerkschaftsbund Koach la’Ovdim, Arbeiterinnen und Arbeiter unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und vermehrt auch prekär Beschäftigte zu organisieren.

»Entschuldige die Verspätung!« Etwas gestresst trägt Itamar Pirhi sein Fahrrad in die fast menschenleere Büroetage des Gewerkschaftsbunds Koach la’Ovdim (Macht den Arbeitern). Nein, er komme nicht von der großen feministischen Demonstration, die nur wenige Meter entfernt vor dem Kirya Tower stattfindet, sagt Pirhi. Fast alle Mitarbeiter des kleinen israelischen Gewerkschaftsbunds lassen an diesem Vormittag ihre Arbeit ruhen, um vor dem Regierungsgebäude in Tel Aviv gegen die starke Zunahme häuslicher Gewalt zu protestieren. Pirhis Zeit ist dafür zu knapp. Denn er ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Termin ganz im Norden Israels, in Safed, wo er die Arbeiter eines Schlachtbetriebs berät.

Bei Koach la’Ovdim engagiert sich Pirhi seit Jahren ehrenamtlich. An der Gewerkschaftsarbeit schätzt der 44jährige Filmemacher den klaren Fokus: »Wir wollen die Situation der Arbeiter in Israel verbessern – egal ob diese ­säkular, traditionell, arabisch oder jüdisch sind.« Der Termin in Safed sei dennoch besonders, denn die Arbeiter sind orthodox – und möchten, dass der Konflikt nicht vor einem weltlichen Arbeits-, sondern vor einem Rabbinatsgericht beigelegt wird. Ob er, der säkulare Israeli, gut mit den Orthodoxen zurechtkomme? »Klar«, antwortet Pirhi pragmatisch. »Wir arbeiten eng und auf Augenhöhe zusammen.« Die zahlreichen Gruppenfotos in den Büroräumen von Koach la’Ovdim vermitteln keinen gegenteiligen Eindruck.

Insgesamt repräsentiert der Verband 35 000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Etwa 40 Prozent davon sind orthodoxe Jüdinnen und Juden, weitere 40 Prozent sind arabische Israelis sowie Araberinnen und Araber aus Ostjerusalem. Gerade diese Gruppen arbeiteten oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen, sagt Reuma Schlesinger eine Woche später. Als Koordinatorin für die Aktivitäten in der Region Tel Aviv-Zentrum ist die 34jährige derzeit für 30 Gewerkschaften zuständig, ein Großteil davon in den Bereichen weiterführende Schulen und Kinderbetreuung. Bis auf wenige Ausnahmen erfolgt in Israel die gewerkschaftliche Organisation nicht nach Branchen, sondern in den einzelnen Betrieben.

Schlesinger zeigt auf die vielen Pfeile und Verbindungslinien auf dem Whiteboard, als sie anfängt, von den Zielen und Strategien ihrer Abteilung zu berichten. Die nachhaltige Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften sei ihr besonders wichtig. Man wolle schließlich nicht nur Feuerwehr spielen, wenn es brennt. Schlesinger ist an diesem Tag allein in ihrem Büro, ihre Kollegin ist im Außeneinsatz. Die Organisation und Vertretung prekär beschäftiger, häufig scheinselbständiger College-Lehrkräfte steht an. Es ist eine enorm wichtige Angelegenheit für den Gewerkschaftsverband – mit offenem Ausgang.

Vorbild für Arbeitgeber

Die Proteste gegen häusliche Gewalt sind vorerst vorbei, in der Büroetage von Koach la’Ovdim geht es wieder hektisch zu. Fast alle Türen stehen offen, Mitarbeiter und Aktivisten gehen ein und aus, klopfen an die Türen, um Bestellungen für das Mittagessen anzunehmen. »Wir sind alle zugeschüttet mit Arbeit und müssen deshalb auch ein bisschen aufpassen, uns nicht zu übernehmen«, sagt Schlesinger. »Zur Not müsst ihr einfach selbst streiken«, kommentiert Pirhi, der auch wieder da ist. Das ist offenbar ein running gag beim Gewerkschaftsverband, und eine Steilvorlage für ­einen scherzhaft-freundschaftlichen Schlagabtausch zwischen den beiden.

Schlesinger hebt die guten Arbeitsbedingungen bei Koach la’Ovdim hervor, die vielen der im Verband organisierten Gewerkschaften als Modell für eigene Verhandlungen nahegelegt werden. Es gibt unter anderem ein für alle Positionen einheitliches Monatsgehalt in Höhe von 10 000 Schekel (rund 2 427 Euro), Rentenzahlungen, Weiterbildungsangebote, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab dem ersten und nicht erst ab dem dritten Tag sowie doppelt so viele bezahlte Urlaubstage wie die gesetzlich vorgeschriebenen zwölf.

»Gerade die besonderen Bedarfe von Frauen werden stark berücksichtigt«, sagt Schlesinger. Sie nennt unter anderem den um eineinhalb auf viereinhalb Monate verlängerten Mutterschutz und bezahlte Taxifahrten für längere, potentiell gefährliche Heim­wege. Das sei auch Ergebnis der Arbeit des verbandsinternen Frauennetzwerks Koach la’Ovdot, das gezielt feministische Themen anspricht. 60 Prozent der Belegschaft von Koach la’Ovdim sind weiblich. Frauen sind in allen ­Positionen vertreten.

Bereit zum Arbeitskampf

Ami Vatury kommt gerade aus einer Haushaltssitzung und lässt für ein Interview seine Mittagspause ausfallen. Stattdessen serviert der Generalsekretär von Koach la’Ovdim Salzstangen und Nescafé. Der 52jährige hat den Gewerkschaftsverband 2007 mitgegründet, kurz zuvor hatte er einen Streik von etwa 200 Zeitarbeitern in der Gepäckabfertigung des Ben-Gurion-Flughafens in Tel Aviv initiiert.

»Uns gelang es damals, den Flughafen für vier Tage lahmzulegen und so die geplante Kündigung zahlreicher Kollegen zu verhindern«, erzählt Vatury. Unterstützung vom eigentlich zustän­digen großen Gewerkschaftsdachverband Histadrut gab es damals nicht. Dieser und ähnliche Arbeitskämpfe prekär Beschäftigter hätten Vatury und anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern deutlich gemacht, dass eine Alternative zur bisherigen Gewerkschaftsvertretung geschaffen werden müsse. Eine entsprechend zentrale Rolle nimmt der Flughafenstreik in der Gründungserzählung des kleinen ­Verbands ein.

Koach la’Ovdim versteht sich seit der Gründung als demokratische Organisation, die sich auf Arbeitskämpfe konzentriert, um die sich die Histadrut kaum kümmert, etwa auf die von Reinigungskräften, prekär Beschäftigten im Bildungssektor oder Busfahrern. Rund 20 Prozent der zumeist arabischen Fahrerinnen und Fahrer öffentlicher Busunternehmen sind bei Koach la’Ovdim organisiert. »Unsere Abkommen in diesem Bereich sind die besten«, sagt Vatury stolz.

Im öffentlichen Transportwesen habe der Verband in den vergangenen Jahren für einen bedeutenden Anstieg der Gehälter gesorgt. Dies sei auch Resultat der kämpferischen Ausrichtung des Verbands. Vatury zufolge binde der zentralistische Verband Histadrut die Beschäftigten nur unzureichend ein und vertrete deren Interessen häufig zu kompromissbereit. Lange Zeit habe sich der traditionsreiche Dachverband zudem mit seinem Bestand zufriedengegeben und sei kaum jenseits des öffentlichen Sektors, der Telekommunikation und der Häfen tätig gewesen.

Vor einigen Jahren gründete die Histadrut jedoch eine Abteilung zur Gewinnung von Neumitgliedern. Seitdem rekrutiert der Dachverband auch über seine klassischen Bereiche hinaus Mitglieder. Das sei nicht nur in Reaktion auf die erfolgreiche Arbeit von Koach la’Ovdim geschehen, sagt Lior Svedlo, der bei der Histadrut für den Bereich Gastronomie zuständig ist. Der seit einigen Jahren zu beobachtende Bedeutungszuwachs von Gewerkschaften in Israel sei auch auf die Sozialproteste von 2011 zurückführen.

Dass in ganz Israel wochenlang bis zu 400 000 Menschen auf die Straße gegangen seien, habe für einen spürbaren Schub an Neumitgliedern gesorgt. »Das ist weltweit einzigartig«, so Svedlo mit einem Leuchten in den Augen. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Unterstützung bei der Bildung neuer Gewerkschaften und die arbeitsrechtliche Beratung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Derzeit sind einige Tausend der etwa 200 000 Beschäftigten im Gastronomiebereich in der Histadrut organisiert.

Gewerkschaften gegen Israel

Im brutalistisch-monumentalen Hauptsitz der Histadrut in Tel Aviv sitzt Avital Shapira. Auch sie betont im Gespräch mehrfach die große Bedeutung der Proteste von 2011 für die gewerkschaftliche Organisation. Sie seien ein Beispiel für den politisch dynamischen Charakter der israelischen Gesellschaft, der von Außenstehenden häufig übersehen werde. In ihrem Büro findet sich neben Kängurus, »Be Berlin«-Bären und anderen Gastgeschenken auch eine während der Bar Mitzwa ihres Sohnes angefertigte Zeichnung, auf der sie Luftballons mit den Buchstaben »BDS« zersticht. »Der Zeichner sollte darstellen, was ich beruflich so mache – gut getroffen, oder?« sagt Shapira selbstbewusst.

Als Leiterin der Abteilung für internationale Beziehungen hat Shapira den Kampf gegen die antiisraelische Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) zu einer ihrer zentralen Aufgaben gemacht. Denn vor allem in internationalen Gewerkschaftskreisen stößt BDS auf viel Zustimmung. Rhetorisch versiert kritisiert Shapira die Forderung nach einem ­sogenannten Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachfahren ebenso wie die Perfidie des von der Kampagne vertretenen Apartheidsvorwurfs gegen Israel. »BDS misst mit zweierlei Maß und dämonisiert ­Israel als größtes Übel in der Region«, so Shapira. »Kritik, auch an der Histadrut, ist ja stets willkommen – aber bei BDS werden Grenzen überschritten.« Letztlich gehe es der Kampagne um die Zerstörung Israels.

Besonders ärgert Shapira, dass sich die Kampagne als propalästinensisch geriere. Dabei werde eine Verschlechterung der sozialen Lage von Palästinenserinnen und Palästinenser in Kauf genommen. Ein Beispiel dafür ist die Schließung des Werks des israelischen Unternehmens Soda Stream im Westjordanland nach BDS-Protesten, wodurch viele palästinensische Beschäftigte ihre Stelle verloren. Auch würden die langjährige, gute Zusammenarbeit mit dem palästinensischen Gewerkschaftsdachverband PGFTU und der Einsatz der Histadrut für die Rechte palästinensischer Bauarbeiter übersehen, so Shapira. In politisch festgefahrenen Zeiten, in denen eine Zweistaatenlösung weit entfernt scheine, sei ein gewisses Maß an Pragmatismus schlicht notwendig.

Stolz deutet Shapira auf Kopien von Kooperationsabkommen zwischen der Histadrut und der PGFTU. Seit 2008 verpflichtet sich die Histadrut, die Hälfte der Mitgliedsbeiträge palästinensischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an die PGFTU zu überweisen. Shapira tippt mehrfach auf das Logo der PGFTU. Darauf ist ein Gebiet mit Namen Palästina zu erkennen, der Staat Israel fehlt. »Natürlich sind wir darauf nicht abgebildet«, sagt sie. Ihrer Stimme ist eine Mischung aus Empörung und Ernüchterung anzuhören.

In der kleinen Büroetage von Koach la’Ovdim scheinen derart staatstragende Fragen weit entfernt. Auf die Frage, ob der kleine Verband bisher von BDS angegriffen worden sei, antwortet Vatury in seiner trockenen Art: »Wenn die sich weigern, mit uns zu sprechen, dann sollen sie es halt einfach bleiben lassen.« Koach la’Ovdim scheint sich diese Haltung leisten zu können. Austausch mit Gewerkschaften aus anderen Ländern gibt es zwar, jedoch nicht in besonders großem Umfang. Zu wichtig ist die Arbeit an Ort und Stelle, für die alle Kräfte gebündelt werden. Deshalb sei Koach la’Ovdim von der BDS-Kampagne weitgehend verschont geblieben, erzählt Vatury. »Tschüss!« ruft Pirhi in die Büroetage hinein. Er ist wieder einmal spät dran, muss los nach Safed. Dort stehen weitere Konsultationen an.

(veröffentlicht in: Jungle World 09/19)

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»Wir leben in der Schwebe«

amenstyjournalEden Tesfamariam leitet das Gemeinschaftszentrum für ­Eritreerinnen in Tel Aviv.

Für Israel habe ich mich vor fast zehn Jahren entschieden. Vor allem, weil ich Angst davor hatte, durch die Sahara zu gehen und das Mittelmeer zu überqueren. In jedem Fall war mir klar: Wir müssen weg aus Eritrea. Denn nachdem mein Mann aus der ­Armee desertiert und untergetaucht war, hatte die Regierung angefangen, mich auf Schritt und Tritt auszuspionieren. Eritrea wird diktatorisch regiert. Der Wehrdienst ist unbefristet und dauert oft mehrere Jahrzehnte.

Monatelang haben wir den Sudan und die Sinai-Wüste durchquert – mit Gottes Hilfe sind wir in Israel angekommen. Die Schmuggler, denen wir viel Geld zahlten, haben uns ausgebeutet, wir erhielten manchmal nur eine Mahlzeit am Tag und kaum Trinkwasser. Anfangs waren wir 37 Personen, doch drei unserer Weggefährten haben die Flucht nicht überlebt. Kurz nachdem wir die israelische Grenze überquert hatten, bin ich kollabiert und wurde von israelischen Soldaten zur Behandlung in ein Krankhaus irgendwo in der Wüste gebracht.

Nach mehreren Monaten im Saharonim-Gefängnis entließ man mich und meine Kinder nach Tel Aviv. Im ­Levinsky-Park am zentralen Busbahnhof, wo wir die erste Nacht verbringen mussten, habe ich zufällig einen eritreischen Bekannten wiedergetroffen. Er wusste, wohin wir uns wenden konnten, um Unterstützung zu erhalten. Ohne ihn wären wir verloren gewesen – inmitten einer fremden Stadt, ohne Hilfe durch die Behörden und erschöpft von der Flucht und der Inhaftierung in Saharonim.

Viele Flüchtlinge leiden bis heute unter den grausamen Erfahrungen in der Wüste. Mit dem Eritrean Women’s Community Centre haben wir mitten in Tel Aviv einen sicheren Ort geschaffen, der Hilfesuchende stärkt. Wir helfen beim Ausfüllen von Asylanträgen und beraten diejenigen, die über die Familienzusammenführung nach Europa oder über ein privates Sponsorenprogramm nach Kanada wollen. Außerdem bieten wir Sprachkurse für Hebräisch und Englisch sowie Friseur- und Make-up-Workshops an und veranstalten regelmäßig Kaffeezeremonien. Wir versuchen, das Beste aus unserer miserablen Situation zu machen.

Das Eritrean Women’s Community Centre wurde vor acht Jahren gegründet, seit knapp drei Jahren leite ich es. Mit den anderen NGOs in Tel Aviv sind wir natürlich gut vernetzt. Für Rechtsberatung arbeiten wir mit der Hotline für Flüchtlinge und Migranten zusammen, für psychologische Hilfe mit der Gesher-Klinik in Yafo und den Physicians for Human Rights Israel.

Im Community Centre mangelt es an vielem, wir müssen viel improvisieren. Die Situation hat sich verschärft, seitdem die Regierung monatlich 20 Prozent von unseren Gehältern abzieht. Das ist eine Art Ausreisesteuer, die wir wiederbekommen, sollten wir Israel verlassen. Vor allem alleinerziehende Mütter trifft das besonders hart. Ohnehin arbeiten wir ja meist in schlecht bezahlten und prekären Jobs. Die Regierung will uns Flüchtlinge einfach loswerden.

Hier gibt es kaum Zukunftsperspektiven. Mein ältester Sohn ist jetzt 16 Jahre alt, doch jegliche höhere Bildung ist ihm verwehrt. Ein Studium am College oder gar an einer Universität ist ausgeschlossen. Ebenso wie eine Karriere bei der israelischen Armee, die hier viel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration leistet.

Ich weiß nicht, wie es weitergeht, einen Plan B haben wir nicht. Seit fast zehn Jahren warte ich auf die Entscheidung über meinen Asylantrag. Das ist in Israel bei nahezu allen 38.000 afrikanischen Flüchtlingen so. Wir müssen regelmäßig unsere Visa erneuern lassen, manchmal alle paar Wochen. In Europa werden Asylanträge von Eritreern fast immer und auch recht schnell anerkannt – in Israel hingegen befinden wir uns in ­einem Schwebezustand.

(veröffentlicht in: Amnesty Journal 01/19)

»Ich verstecke meine Biographie nicht«

amenstyjournalTogod Omer aus dem Sudan wartet in Israel seit mehr als sieben Jahren auf seine Anerkennung als Flüchtling.

Unsere Geschichte habe ich in der letzten Zeit häufig erzählt. Für manche Israelis gehöre ich zu den »mistanenim«, den »Eindringlingen«, wie palästinensische Terroristen hier genannt werden. Doch ich bin nicht hierhergekommen, um Ärger zu ­machen, oder um Jobs wegzunehmen – sondern weil ich im ­Sudan um mein Leben fürchten musste.

Schon in jungen Jahren war ich dort tagtäglich mit der Zwangsarabisierung und -islamisierung konfrontiert. In meinem Pass stand nicht Togod Omer, sondern ein anderer, arabischer Name. Dazu kam, dass ständig die islamische Geschichte und die Bedeutung des Korans betont wurden. Aber vor allem waren es die strengen Scharia-Gesetze, die mir während des Studiums an der Gezira-Universität das Leben schwer machten. So war uns zum Beispiel öffentlicher Kontakt zu Frauen verboten. Das ist verrückt – und entspricht nicht meinen persönlichen Werten.

Deshalb habe ich als Student öffentliche Diskussionsveranstaltungen organisiert. Als einer meiner Mitstreiter von Sicherheitskräften erschossen wurde und die Polizei auch mein Zuhause aufsuchte, musste ich mich verstecken. Zunächst blieb ich bei meinem Onkel in Khartum, bis ich dann nach Kairo flüchtete. Doch musste ich auch Ägypten verlassen, da die dortige Regierung gute diplomatische Beziehungen zum Regime von Omar al-Baschir unterhält. Das war mir zu riskant. Dazu kam die Feindseligkeit vieler Ägypter gegenüber uns Sudanesen im Alltag.

Durch den Sinai gelangte ich schließlich nach Israel. Der Fußweg durch die Wüste war grauenvoll, da unsere Gruppe von Beduinen erpresst und gewaltsam eingeschüchtert wurde. Gegen hohe Bezahlung haben sie uns aber bis kurz vor die israelische Grenze gebracht, die damals noch nicht durch einen hohen Zaun abgesichert war.

In Israel war ich kurz darauf in Saharonim inhaftiert. Das Gefängnis wurde eigens für afrikanische Flüchtlinge gebaut und befindet sich inmitten der südlichen Negev-Wüste. Wir saßen dort monatelang fest, und die Sicherheitskräfte mahnten uns regelmäßig, keinen Asylantrag stellen, sondern uns bloß als ­Arbeitsmigranten zu melden. Doch ich war nicht bereit, meine Biografie zu verstecken, und habe auch dort öffentlich erzählt, warum ich den Sudan verlassen musste.

Nach einigen Monaten wurde ich mit einem One-Way-Ticket nach Tel Aviv entlassen. “Ziehe ins südliche Tel Aviv, in die Nähe des zentralen Busbahnhofs”, wurde ich wie alle anderen angewiesen. Dort lebe ich seit über sieben Jahren – und warte seitdem auf meinen Asylbescheid.

In den nächsten Monaten dürfte es endlich zu einer Entscheidung kommen. Wie sie ausgeht, kann ich nicht ­abschätzen. Ohnehin bin ich seit Jahren eine unsichere, kaum planbare Zukunft gewohnt: Alle sechs Monate muss ich mein Visum erneuern lassen, in den ersten Jahren sogar monatlich. Ich bin 32 Jahre alt.

Gleichzeitig genieße ich einige Privilegien, die andere Flüchtlinge nicht haben. Seit zwei Jahren arbeite ich als Web-Programmierer in einem Start-Up-Unternehmen, inklusive Krankenversicherung. Zwar verfüge ich über keine offizielle Arbeitserlaubnis, aber sobald man in Israel einen Job hat, ist das den Behörden egal.

Für meine Arbeitsstelle bin ich sehr dankbar. Doch mein Herz schlägt für die Garden Library. Das ist ein selbstorganisiertes Kultur- und Bildungszentrum im Levinsky-Park, wo ich die kulturellen Angelegenheiten koordiniere. Mit meinem Engagement möchte ich nicht nur anderen Flüchtlingen helfen, in Israel besser zurechtzukommen, sondern auch bei den Israelis für mehr Verständnis für unsere Situation werben.

Es war unglaublich, dass in Tel Aviv vor einigen Monaten 200.000 Menschen gegen die Abschiebepläne der Regierung demonstriert haben. Damals habe ich auch eine Rede gehalten. Viele afrikanische Flüchtlinge haben ähnliche Dinge erlebt wie ich.

(veröffentlicht in: Amnesty Journal 1/19)

Die Menschen nicht vergessen

7rxoG1a0_400x400Das muslimisch-jüdische Projekt »Köfte Kosher« hat einen Pavillon für die Opfer rechter Gewalt gestaltet

Kein Vergessen – in Bremen ist der »Köfte Kosher«- Erinnerungspavillon wiedereingeweiht worden. 2012 hatten sich im Rahmen des Projektes muslimische und jüdische Jugendliche mit Diskriminierung, rechter Gewalt und Zivilcourage auseinandergesetzt. Ein Ergebnis war die gemeinsame Gestaltung eines Erinnerungsortes im Bremer Stadtzentrum.

Auf den Steinpavillon sprühten die Jugendlichen die Porträts von zwölf Personen, die in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland ermordet worden waren: getötet wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung oder weil sie obdachlos waren.

GEDENKEN Als Teil der »Köfte Kosher«-Neuauflage wurde der weitgehend verwahrloste Pavillon umgestaltet und der Platz an der Humboldtstraße in »Marwa‐El‐Sherbini‐Platz« umbenannt. Die 1977 in Alexandria geborene El‐Sherbini hatte einige Zeit in Bremen gelebt – und war 2009 im Landgericht Dresden aus rassistischen Motiven erstochen worden. Eines der Porträts am Pavillon zeigt die ägyptische Handballspielerin und Pharmazeutin.

Durch spezielles, versiegeltes Acrylglas ist der Pavillon vor Graffiti geschützt. Außerdem hat der Gedenkort eine digitale Dimension erhalten: Über QR‐Codes können Interessierte Informationen zu den Opfern rechter Gewalt auf ihren Smartphones abrufen und mit vor Ort ausleihbaren 3D‐Brillen sowohl die jeweiligen Tatorte als auch anschließend kurze digitale Kunstwerke zu einzelnen Biografien ansehen.

18 Schülerinnen und Schüler der berufsorientierenden Wilhelm‐Wagenfeld‐Schule hatten an der Umgestaltung des Gedenkpavillons mitgewirkt. Über mehrere Monate hinweg recherchierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu den Biografien der zwölf Opfer rechter Gewalt und entwarfen anschließend künstlerische Arbeiten zum Gedenken an sie.

»Platzbenennungen und Gedenkorte sind ein Zeichen dafür, was uns gesellschaftlich wichtig ist«, sagt Daniel de Olano. Der stellvertretende Sprecher des Beirats Östliche Vorstadt hatte sich seit Jahren für eine Umbenennung des Platzes eingesetzt. »Mit der anstehenden Restaurierung des Erinnerungspavillons bot sich nun die Gelegenheit, einen neuen Anlauf zu unternehmen«, sagte der SPD‐Politiker. Alle Beiratsfraktionen – von Linkspartei bis CDU – stimmten im Stadtteilbeirat für die Namensgebung.

FESTAKT An dem Festakt im Herbst hatten etwa 200 Personen teilgenommen. Darunter waren Vertreter der Grünen und der Linkspartei aus der Bremer Bürgerschaft, Vertreter der SPD, Grünen, Linken und FDP aus der Kommunalvertretung, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde im Lande Bremen, Elvira Noa, sowie die Gruppe »Omas gegen rechts«. »Gerade in einer Zeit, in der rechte Gewalt wieder unverhohlen auf die Straße und rechte Hetze in die Parlamente getragen wird, müssen wir uns bewusst machen, dass so etwas nicht folgenlos bleibt. Menschen werden direkt aus unserer Mitte gerissen«, betont Daniel de Olano.

»Mit ›Köfte Kosher‹ wollen wir Jugendlichen vermitteln, wie wichtig es ist, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen«, sagte Projektkoordinatorin Elianna Renner. »Nicht erst seit Chemnitz wissen wir, wie gefährlich und brutal die Neonazis sind – und wie wenig ihnen Menschenleben wert sind«, sagte die Künstlerin.

Irina Drabkina ist ebenfalls Teil des »Köfte Kosher«-Teams. An dem Festakt habe sie vor allem beeindruckt, dass hier die individuellen Biografien der zwölf Ermordeten in den Vordergrund gerückt worden sind – etwa über das mehrmalige Verlesen und Erwähnen ihrer Namen, sagte Drabkina. »Die Gratwanderung zwischen respektvollem Erinnern und einer lebensfrohen Feier ist uns gelungen«, sagt sie. So gab es neben den Redebeiträgen auch Musik, unter anderem von der simbabwischen Hip‐Hop‐Musikerin Awa und dem DJ‐Duo »NazNak goes Kanak«. Viele Gäste blieben bis in die Abendstunden.

ZIVILCOURAGE »Tagtäglich können wir alle Zivilcourage zeigen. Es ist im Interesse der Gesamtgesellschaft, menschenfeindlichen Diskriminierungen entgegenzutreten«, sagt Irina Drabkina. Elianna Renner will künftig versuchen, den Kontakt zu den Hinterbliebenen zu intensivieren. Denkbar sei eine Zusammenarbeit bei weiteren Projekten.

Daneben ist es der Künstlerin wichtig, Wissenslücken zu den einzelnen Biografien zu füllen und die Lebensläufe der Ermordeten detailliert zu dokumentieren. »Es ist gut zu wissen, dass wir, die von rechter Gewalt direkt betroffen sind, zusammenarbeiten und uns solidarisieren«, sagt Renner.

(veröffentlicht in: Jüdische Allgemeine vom 3.1.2019)

Umweltschutz ist mir wichtig

7rxoG1a0_400x400Mia Segal hat Politische Ökologie studiert und arbeitet jetzt in Bremen in einem Start-up.

Um den Deutschen ihre Jobs wegzunehmen, ging ich neulich schon frühmorgens zur Arbeit. Doch keine Chance – warum nur sind die Deutschen so pünktlich?« Ich finde es lustig, dass viele Deutsche genau die Klischees erfüllen, von denen man in Comedy‐Sketchen hört. Es ist auffällig, wie leise es hier auf der Straße und selbst in Bars zugeht. Und wie konservativ sich die Deutschen anziehen, selbst am Wochenende. Als ich hier das erste Mal in den Klub ging, stach ich sofort heraus mit meinen High Heels und meinem Tanktop. Das war mir unangenehm.

Die Garderobe lässt sich leicht um ein paar neue Teile ergänzen, doch manch anderes fällt mir nach fast drei Jahren immer noch schwer, vor allem das Deutschlernen, weshalb ich im Alltag vor allem Englisch spreche. Mit meinem Partner Julian und meinem teilweise internationalen Freundeskreis bekommen wir das hin. Doch bei politischen Diskussionsveranstaltungen oder Vorträgen, die ich eigentlich sehr gerne besuche, verstehe ich leider nicht viel. Liebend gerne würde ich einen Lesekreis zu jüdischen und feministischen Themen gründen.

Beim Deutschsprechen versuche ich, meinen Akzent und die typischen »false friends« zu vermeiden. Auch wegen der Vorurteile gegen Amerikaner, die hier vielen Menschen pauschal als »kulturlos«, »dumm« oder »oberflächlich« gelten. Doch für mich ist der Small Talk eine Art, Interesse an einer Person zu zeigen.

Geboren wurde ich in Vermont, aufgewachsen bin ich aber vor allem in Kalifornien. Mein Vater Yonatan ist waschechter Sabre und kommt aus Ramat Gan. Meine Mutter hatte ihn während seines BWL‐Studiums in New Hampshire kennengelernt. Theresa, meine Mutter, hat einen italienisch‐katholischen Background. Aber trotzdem spielt sie für meine Identität als Jüdin eine wichtige Rolle: Vor allem sie brachte mir die jüdischen Traditionen bei und sorgte dafür, dass wir als Familie die Hohen Feiertage feiern.

CHANUKKA Der Ort dafür war nie die Synagoge. Mein Judentum ist vor allem kulturell: Wenn wir an Chanukka gemeinsam die Lichter zünden oder abends »Laila Tov« statt »Gute Nacht« sagen, spüre ich, dass ich jüdisch bin. Oder bei unserer Party an Rosch Haschana, zu der wir alle unsere jüdischen und nichtjüdischen Freunde einladen. Dann servieren wir hausgemachte Challa, Hummus und italienische Spaghettisoße – und alle Gäste wünschen einander »Schana Towa«.

In Bremen habe ich dieses Jahr zu Chanukka zum ersten Mal zu mir nach Hause eingeladen. Schon einige Tage zuvor, an Thanksgiving, haben wir eine kleine Party geschmissen. Mit Truthahn und allem, was dazugehört.

Ein selbstverständlicher Umgang mit Multikulturalität, aber vor allem mit jüdischer Kultur fehlt mir hier in Deutschland. Die Sicherheitsmaßnahmen vor den Synagogen sind notwendig, aber sie wirken beklemmend und abschreckend auf mich, da ich es aus Kalifornien anders kenne. Ich bin es gewohnt, dass jüdische Einrichtungen Orte sind, die Offenheit und Zugänglichkeit ausstrahlen und nicht auf eine drohende Gefahr verweisen. Umso besorgniserregender ist für mich das antisemitische Attentat in Pittsburgh, infolge dessen es Sinn macht, über stärkere Sicherheitsvorkehrungen zu diskutieren.

SCHOCK In Deutschland fällt mir außerdem auf, wie wenig viele Menschen über jüdische Traditionen wissen, und seien es nur grundlegende Informationen zu den wichtigen Feiertagen. Dazu kommt ein wirklich befremdlicher Umgang vieler Deutscher mit jüdischen Menschen im Alltag. So zum Beispiel plötzliche emotionale Zurückweisung, nachdem ich beiläufig erwähnt hatte, dass ich jüdisch bin. Nicht selten werden die Leute dann sichtbar nervös und beenden unsere Konversation schleunigst. Oder sie reagieren geschockt auf schwarzen Humor.

Neulich bei einem öffentlichen Kochabend schlug die Köchin lachend vor, besonders viel Knoblauch zu verwenden, da Hitler diese Gewürzpflanze doch als »jüdisch« galt. Allein der Name »Hitler« – noch dazu aus dem Mund einer Jüdin – schien für einige zu viel und zu ungewohnt gewesen zu sein. Gleichzeitig beobachte ich, wie wenig die meisten Deutschen sich mit ihren eigenen Familiengeschichten beschäftigt haben. Das schockiert mich.

FAMILIE Marta, meine Großmutter väterlicherseits, überlebte die Schoa, da ihr kurz vor dem Überfall der Deutschen auf Polen zusammen mit ihrer Familie die Flucht nach Palästina gelang. Da mein Urgroßvater aufgrund seiner guten Deutschkenntnisse die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland verfolgen konnte, entschied er sich rechtzeitig für die Emigration. Fast alle anderen Familienmitglieder, die in Polen geblieben sind, wurden in Auschwitz ermordet.

In einem Versteck konnten Martas Cousine Risha und ihre Familie überleben. Nach der Befreiung gingen sie nach England, um als Teil eines Programms für Überlebende bei einer jüdischen Familie unterzukommen. Dort lernte Risha ihren späteren Mann Peter kennen. Mit ihm wanderte sie kurz darauf nach Israel aus. Auf ihrer Hochzeit wiederum trafen sich Marta und Peters Bruder George – mein späterer Großvater. Auch sie beide zogen wenig später nach Israel, wo alle gemeinsam in einem Haus lebten.

Dieser Teil meiner Familiengeschichte hat mich immer begleitet. Eine Zeit lang ist es mir schwergefallen, in Deutschland Zug zu fahren oder jemanden auf der Straße energisch rufen zu hören – zu sehr hat mich das an die Geschichten meiner Großeltern erinnert. Inzwischen denke ich immer häufiger darüber nach, selbst die Initiative zu ergreifen und öffentlich über meine biografischen Erfahrungen und meine Familiengeschichte zu berichten.

In Deutschland habe ich gemerkt, wie es sich anfühlt, Teil einer Minderheit zu sein, die von vielen schlicht ignoriert wird. In den USA und vor allem während meines Studiums war das anders: Meine engsten Freunde waren damals jüdisch – und die, die es nicht waren, haben sich mit mir auch in jüdischen Initiativen für soziale Gerechtigkeit engagiert. Außerdem habe ich zahlreiche öffentliche Vorträge zu jüdischen und israelischen Themen mitorganisiert, wie etwa zur Wasserkrise und über den Jordanfluss.

WINDMÜHLEN Meinen Bachelor‐Abschluss habe ich 2015 an der University of California in Berkeley gemacht. Meine Wahl fiel vor allem deshalb auf den Studiengang Politische Ökologie, weil ich damals umweltpolitisch sehr aktiv war. Schon in der Highschool hatte ich einen Klub namens »Students for Sustainability« mitgegründet. Wir entwarfen damals Kompostsysteme und haben Bildungsarbeit gegen den Klimawandel gemacht. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind mir immer noch sehr wichtig, aber mit der Zeit war mir das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen, einfach zu frustrierend.

Heute interessiere ich mich stärker für Feminismus. Mir geht es dabei vor allem um gleiche Möglichkeiten für alle. Interessanterweise beobachte ich, dass in Deutschland viel mehr Männer »feminin« konnotierte Eigenschaften in ihre Persönlichkeit integrieren, ohne sofort als »schwul« oder »verweiblicht« zu gelten. Letztendlich gewinnen wir doch alle, wenn wir die bestehenden Geschlechternormen und Rollenbilder stärker infrage stellen. Dass Feministinnen etwas gegen Männer haben, ist ein altes Klischee, das mich wirklich stört.

Umso bestürzender ist es für mich, dass mit der Trump‐Administration die Misogynie ein noch stärkerer Teil der politischen Kultur geworden ist. Durch die vielen Frauenhasser in Machtpositionen wird vermittelt, es sei legitim, uns zu degradieren und zu belästigen. Hoffnungsvoll stimmt mich jedoch, dass in den USA so viele Frauen nicht klein beigeben und es – so wie etwa bei den letzten Kongresswahlen – schaffen, selbst in einflussreiche politische Positionen zu gelangen.

TRAUM Im Moment arbeite ich von Bremen aus in einem amerikanischen Start‐up. Wir helfen internationalen Arbeitnehmern in Technologie‐Unternehmen dabei, ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Mein beruflicher Traum ist es aber, Frauen zu »empowern« und sie dabei zu unterstützen, ihren Einfluss in allen Lebensbereichen bis hin zur vollständigen Gleichberechtigung auszubauen. Mein Einsatz für soziale Gerechtigkeit erlaubt es mir auch, mein eigenes Judentum weiter zu erkunden. Die Idee der Reparatur der Welt im Sinne des Tikkun Olam ist dabei ein wichtiger Orientierungspunkt.

(veröffentlicht in: Jüdische Allgemeine vom 13.12.2018)

Swinging Addis

cover_VERSORGER120Über die erstaunlichen transkulturellen Sounds aus Äthiopien

»This is another song by myself« – selbstbewusst kündigt Mulatu Astatke mit diesen Worten fast alle seine Stücke an. Und jedes Mal applaudiert das Publikum in vollster Vorfreude auf das, was viele bereits nach wenigen Tönen erkennen und bejubeln. Alle im Berliner Berghain scheinen sich der äußergewöhnlichen Bedeutung von Astakte bewusst zu sein, er selbst eingeschlossen. Doch nicht nur Astakte, der 75-jährige Vater des äthiopischen Jazz, tritt inzwischen regelmäßig in hiesigen Breitengraden auf. Auch Hailu Mergia, ein anderer »golden Oldie« des Ethio Jazz, genießt bei einem hippen westlichen Publikum Kultstatus.

Die musikalischen Anfänge der beiden liegen schon länger zurück. In den 1960ern und 70ern erlebte Äthiopien eine kurze Phase, in der zahlreiche MusikerInnen westliche Popmusik mit landestypischen Tonskalen, Rhythmen, Gesangstilistiken und teils auch Instrumenten verbanden. In der Hauptstadt Addis Abeba blühte das Nachtleben, und obwohl die Musikindustrie unter Kaiser Haile Selassie I. verstaatlicht war, konnte eine enorme Menge unabhängig produzierter Schallplatten auf den Markt gelangen.

Rückblickend wird diese Zeit oftmals als »goldene Ära äthiopischer Popmusik« oder in Anlehnung an das Londoner Pendant als »Swinging Addis« bezeichnet. Astatke avancierte durch seine Tätigkeit als Arrangeur, Komponist und Musiker zu einer zentralen Figur innerhalb der Szene – und veränderte die gesamte äthiopische Musik.

Als der aus einer wohlhabenden Familie stammende Astatke 1969 nach langjährigen Studien-Aufenhalten in Großbritannien und den USA dauerhaft nach Addis zurückgekehrt war, hatte sich die Stadt stark gewandelt. Nach der Niederschlagung des von rebellischen Militärs angestrengten Staatsstreichs 1960 ließ Kaiser Haile Selassie I. eine kulturelle Öffnung zu. Das urbane Nachtleben florierte. Mittendrin: Miniröcke, Motorroller und Musiker, die auf verblüffende Weise Elvis Presley oder James Brown ähnelten.

Haile Selassie I. war es auch, der auf entscheidende Weise zu den Anfängen der äthiopischen Popmusik beitrug. Bei einem Besuch in Jerusalem 1924 war er von europäischen Blechblasinstrumenten so stark begeistert, dass er kurzerhand eine Band von jungen Armeniern engagierte und sie zu seinen Hofmusikern machte. Die Leiter dieser Band, Kevork Nalbandien und sein Neffe Nersès, prägten die äthiopischen Militär- und Polizeiorchester stark. Aus diesen Bands sollten viele der späteren Popmusiker stammen, denn nur als Mitglied eines solchen Orchesters war es damals in Äthiopien möglich, andere als die einheimischen Instrumente zu lernen.

Für Astatke bot dieses alles eine perfekte Gelegenheit. Sehr schnell erhielt er Aufträge, unter anderem für das neu gegründete Label Amha Records, das zwar ohne offizielle Genehmigung, aber keineswegs ohne Wissen der staatlichen Autoritäten einen Großteil der damaligen Popproduktionen veröffentlichte. Astatke brachte schließlich das Vibraphon, die Hammond-Orgel und das Wah-Wah-Pedal mit nach Äthiopien und fügte für seine Latin-Rhythmen noch Congas und Bongos hinzu.

Astatkes hybrider Ethio-Jazz stieß jenseits der hedonistischen Szene in Addis nicht immer auf Enthusiasmus. Äthiopien war auch damals schon ein stark von Nationalismus geprägtes Land, das über Jahrhunderte eine bemerkenswerte kulturelle Isolation und Eigenständigkeit aufrecht erhalten hatte. Dazu gehörte auch die starke Bedeutung von Gesang in der tradtionellen äthiopischen Musik, die es Astatkes instrumentalem Ethio-Jazz mitunter erschwerte, an die Hörgewohnheiten von breiten Teilen der äthiopischen Bevölkerung anzuknüpfen.

Bei Hailu Mergia hingegen spielt der Gesang eine etwas größere Rolle. Ähnlich wie bei Astatke ist auch sein Sound transkulturell: äthiopisch und zugleich global, modern und funky. Mit »Lala Belu« hat der 72-jährige Keyborder und Akkordeonspieler, der seit jeher in verschiedenen Konstellationen musiziert, kürzlich sogar ein neues Album herausgebracht – die ersten neuen Stücke seit langem.

Dass überhaupt so viele MusikerInnen in den 1960er und 70er Jahren westliche mit äthiopischer Musik kombinierten, lag auch am Einfluss der US-Militärbasis im damals noch zu Äthiopien gehörenden Asmara. Dort gab es eigene TV- und Radiostationen, die Songs von Frank Sinatra, John Coltrane oder James Brown spielten, sowie Clubs und Bars, in denen viele US-amerikanische GIs als Musiker auftraten. Zudem brachten die mehreren tausend jungen Freiwilligen der US-amerikanischen Peace Corps ihre Schallplatten und Gitarren mit ins Land. Sie trugen durch ihr von der US-amerikanischen Popkultur beeinflusstes Aussehen sicherlich auch dazu bei, dass diese Modestile nun auch in Addis adaptiert wurden. Dazu kamen die von ÄthiopierInnen selbst aus dem Ausland mitgebrachten Schallplatten.

Als Gründer und Betreiber des ersten unabhängigen äthiopischen Labels Amha Records spielte Amha Eshèté eine zentrale Rolle in der Entwicklung der damaligen Szene. Zunächst importierte Eshèté aktuelle Musik aus dem Westen nach Addis. »Dort gab es nur drei Musikläden, die aber griechische oder armenische Besitzer hatten. Deshalb fühlten sich die Äthiopier etwas ausgeschlossen«, erzählte er dem Ethiopia Observer. Eshètés neu eröffneter Laden lief schnell so gut, dass er weitere Shops in Addis und in anderen Städten eröffnete: »Die Leute waren einfach hungrig auf die neuesten, heißen Acts – James Brown, Jim Reeves, Otis Redding, Wilson Picket und andere«.

Allmählich begann Eshèté damit, auch Musik aus Kenia, Sudan, Westafrika und Indien zu importieren. Und um nicht nur ausländische, sondern auch äthiopische Musik
anbieten zu können, entschied sich Eshèté mit Mitte zwanzig, auch als Produzent tätig zu werden. Mit äthiopischen KünstlerInnen nahm er zwischen 1969 und 1975 insgesamt 103 Singles und 12 LPs auf und verhalf zahlreichen Talenten zu Bekanntheit. Später entstanden weitere wichtige Labels wie Philips Ethiopia und Kaifa Recordings.

»Swinging Addis« wurde durch das repressive sozialistische Mengistu-Regime zerstört. Wie viele ÄthiopierInnen auch wurden einige MusikerInnen und andere Akteure der Szene inhaftiert, getötet oder mussten ins Ausland fliehen. Mulatu Astatke arrangierte sich mit dem Status Quo in Äthiopien, Hailu Mergia ging in die USA. Das neue Regime in Äthiopien verhängte eine nächtliche Ausgangssperre und schloss Clubs, die Vinylproduktion wurde eingestellt.

Nach dem Ende des Mengistu-Regimes 1991 kehrten zwar einige exilierte AkteurInnen der Szene zurück. Insgesamt konnte das Niveau der früheren Musikszene jedoch nicht mehr erreicht werden. Aus diesem Grund blicken heute manche der damaligen ProtagonistInnen zum Teil sehr nostalgisch auf die Zeit des »Swinging Addis« zurück.

Eine gewisse Nostalgie scheinen auch die zahlreichen Wiederveröffentlichungen alter, rarer Aufnahmen aus Äthiopien zu bedienen. Vor allem durch die Serie »Éthiopiques« erleben die Sounds ein andauerndes Revival. Mittlerweile umfasst die Reihe des französischen Labels Buda Musique über 30 Titel. Neben Mulatu Astatke finden sich darin unter anderem die Sänger Mamhoud Ahmed, Alèmayèhu Eshèté, Tlahoun Gèssèssè, Girma Bèyènè sowie die »First Lady des Ethio-Pop«, Bizunesh Bekele. Ebenfalls vertreten ist der Saxofonist Gétatchèw Mèkurya, der bis vor seinem Tod im April 2016 mehrmals mit den niederländischen PunkJazzern von The Ex zusammenarbeitete und dessen sich an traditionellen Gesangsstilen äthiopischer Krieger orientierendes Saxofonspiel mitunter mit dem der stilprägenden Free-Jazzer Ornette Coleman oder Albert Ayler verglichen wird.

Hailu Mergias neues Album »Lala Belu« ist bei Awesome Tapes from Afrika erschienen. Im Vergleich zu den alten Aufnahmen klingt es besser produziert, vielleicht auch etwas glatter. Sowohl in den Kompositionen als auch in den Aufnahmen gewinnen Bass und Schlagzeug an Bedeutung, auf die immer leicht beschädigt klingende Midtempo-Drummachine von früher wird verzichtet. Zwar klingt »Lala Belu« weniger träumerisch und obskur als noch »Hailu Mergia & His Classical Instrument« (1985/2013), dem ersten Re-Release seines Werkes durch Awesome Tapes from Africa. Doch das Hypnotische an Mergias Sound bleibt. Vor allem live funktioniert das ausgezeichnet. Es ist faszinierend, wie Hailu Mergia und seine beiden Bandkollegen ihr wesentlich jüngeres Publikum in den Bann ziehen.

Auch in Interviews ist Mergia, der hauptberuflich als selbstständiger Taxiunternehmer in Washington DC arbeitet, die enorme Leidenschaft fürs Musizieren anzumerken: Angeblich hat er bei jeder Taxifahrt sein Keyboard im Kofferraum mit dabei, um Pausen oder eine Kundschaftsflaute für spontane Sessions auf der Rückbank zu nutzen. Gefragt, warum er das Taxifahren nicht aufgebe, antwortet er trocken: »Irgendwie muss ich ja mein Leben finanzieren, und mein Taxigewerbe erlaubt mir, flexibel zu sein und auch mal ins Ausland auf Tour zu gehen.«

An seiner Wiederentdeckung verdient Mergia fair mit: Brian Shimkovitz, Gründer und Betreiber von Awesome Tapes from Africa, erzählt im Interview, dass er Profit aus Plattenverkäufen zu fünfzig Prozent mit den gesignten Künstlern teilt. Dazu kommen noch die Einnahmen aus den in der Regel wesentlich lukrativeren Liveaufritten. Inzwischen beziehen sich auch jüngere Musiker auf die Sounds von »Swinging Addis« – sei es durch das Sampling der alten Klassiker im Hip-Hop oder mit den eigenen, neuen Bands innerhalb und außerhalb Äthiopiens.

Über die Tourneen oder Re-issues erfahren aber nicht nur die äthiopischen Sounds ihre verdiente Aufmerksamkeit. So umfassen die zahlreichen Wiederveröffentlichungen von Awesome Tapes from Africa etwa auch den ghanaischen Electro-Dance-Rapper Ata Kak, die somalische Dur-Dur Band oder die senegalesische Vocalperformerin Aby Ngana Diop. Andere auf Re-issues spezialisierten Labels wie Buda Musique tragen ebenfalls dazu bei, die bemerkenswerte Kreativität und Innovationskraft afrikanischer Künstler Jahrzehnte später erneut zu honorieren. Deutlich wird, wie vielfältig die afrikanische Szene damals war und wie sehr die Acts mit modernen Mitteln lokale Eigenheiten mit Einflüssen aus aller Welt vermischten. Ein Albtraum für völkische Reinheitsfanatiker und für Rassisten, die Afrika als geschichts- und kulturlosen Kontinent imaginieren.

(veröffentlicht in: Versorgerin 120, Dezember 2018)

W wie Weitermachen

indexVor drei Jahren sagte Angela Merkel »Wir schaffen das« – und viele Freiwillige packten kräftig mit an. Wie steht es heute um die vielen Initiativen und Vereine, die damals entstanden? 

Thorgen Flor war überrascht, als es im Sommer 2015 Hunderttausenden Menschen gelang, nach und durch Europa zu flüchten. Noch mehr überrascht, »ja fast schon überwältigt« hatten den Bremer Politikwissenschaftsstudenten aber die Reaktionen vieler Menschen in Deutschland. Die Bilder vom Münchener Hauptbahnhof zeigten für ihn das, was später »Willkommenskultur« genannt wurde: eine ungewöhnliche Koalition aus Studierenden und RentnerInnen, linken AntirassistInnen und PastorInnen, die Geflüchtete nicht nur spätnachts an Bahnhöfen begrüßten, sondern auch mit Kleiderspenden oder – wie Flor – beim Deutschlernen unterstützten.

Angela Merkels Satz »Wir schaffen das« jährt sich nun zum dritten Mal. Die Migrationspolitik der Bundesregierung ist in den Jahren Schritt für Schritt restriktiver geworden, immer wieder werden Forderungen nach schnelleren Abschiebungen und geschlossenen Grenzen laut – und zwar längst nicht nur aus den Reihen der AfD, die mittlerweile im Bundestag und jedem Landesparlament vertreten ist. Die öffentliche Meinung ist gespalten.

Einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge setzen sich aber aktuell immer noch 19 Prozent der deutschen Bevölkerung für Geflüchtete ein. Seit 2015 haben sogar 55 Prozent der Bevölkerung Flüchtlinge auf unterschiedliche Weise unterstützt. Wer sind diese Menschen, und was motiviert sie? Und vor allem: Wie wirken sich die verhärtete politische Situation und die öffentliche Debatte auf ihr Engagement aus?

»Die Protagonisten der Willkommenskultur haben als breite Bürgerbewegung agiert – das war besonders«, sagt Werner Schiffauer, Mitglied im Rat für Migration, einem bundesweiten Zusammenschluss von MigrationsforscherInnen. Die Engagierten hatten Schiffauer zufolge teils sehr unterschiedliche Beweggründe: So trafen Ehrenamtliche, die erstmals und vor allem karitativ tätig waren, auf erfahrene Flüchtlingsunterstützer. In der Allensbach-Studie heißt es entsprechend: »Der Kreis der Engagierten spiegelt im Großen und Ganzen die Gesellschaft wider«.

Inzwischen gibt es in Deutschland 15.000 Unterstützungsprojekte, schätzt Schiffauer. Neuartig sei dabei auch die persönliche Nähe zwischen den Helfenden und den Geflüchteten. Darin liege das Potenzial, Vorurteile ab- und Solidarität aufzubauen. Geflüchtete bekamen plötzlich ein Gesicht und wurden weniger stark als anonyme Masse wahrgenommen.

»Manche Helfer hatten bestimmt auch einen überpositiven Blick auf Geflüchtete, der sich gar nicht am konkreten Individuum orientierte«, sagt Flor. Aber von einer verklärenden Haltung, wie sie den Engagierten immer wieder vorgeworfen wurde, sei die Szene, wie er sie in Bremen kennengelernt hat, weit entfernt. Das Wissen um die individuellen Lebensgeschichten hatte Flor verdeutlicht, »wie absurd« manche bürokratischen Kategorisierungen seien. Heute sehe er etwa das Konzept des »sicheren Herkunftsstaates« wesentlich kritischer.

Das durch persönliche Erzählungen vertiefte Verständnis für Fluchtursachen – wie etwa der Krieg in Syrien oder die Situation in Afghanistan – bezeichnet Miriam Edding als »worlding«. Die Hamburgerin ist bei Watch the Med aktiv, einem internationalen Freiwilligen-Projekt, das sich für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer einsetzt.

Bei vielen Engagierten beobachtet Edding eine »zunehmende Frustration«. Dies liege vor allem an der politischen Polarisierung und der verschärften Situation für die Geflüchteten, deren Bleibeperspektiven und Chancen auf Familiennachzug sich im Vergleich mit 2015/2016 häufig verschlechtert haben. Gleichzeitig gebe es aber auch eine Professionalisierung: Die Engagierten profitieren von den jahrelangen Erfahrungen in Öffentlichkeitsarbeit, Projektfinanzierung und in der Zusammenarbeit mit Geflüchteten. Dadurch könnten sie auf neue Herausforderungen häufig schneller und flexibler reagieren als die »oft überbürokratisierten staatlichen Behörden«.

Bei nicht wenigen Engagierten fällt Schiffauer eine »Jetzt erst recht«-Haltung auf – vor allem dort, wo die migrationspolitischen Verschärfungen besonders groß sind, wie etwa in Bayern. »Viele fragen sich: Was ist aus dem Land von 2015 geworden, aus dem zivilgesellschaftlichen Aufbruch?« Aus den politischen Entwicklungen erklärt sich der Kulturwissenschaftler auch, weshalb kaum noch neue Freiwillige dazukommen: Mancherorts sei die Unterstützung von Geflüchteten mit einem großen Stigma belegt. Gleichzeitig seien aus dieser gesellschaftlichen Abwertung aber auch Gegenbewegungen entstanden, wie etwas das bundesweite Solidarity-City-Netzwerk.

Das Engagement für Geflüchtete begann nicht erst 2015, betont Migrationsforscher Serhat Karakayali von der Humboldt-Universität zu Berlin: Bereits Jahre zuvor ließ sich ein deutlicher Anstieg von Ehrenamtlichen beobachten. Zudem habe es, etwa mit der »Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen«, schon seit Jahrzehnten bedeutende Unterstützergruppen gegeben. Im Gegensatz zur »Willkommenskultur« sei dieses Engagement jedoch dezidierter Teil einer linken antirassistischen Bewegung gegen globale soziale Ungleichheit gewesen, so Karakayali.

Indem die Ehrenamtlichen heute oft als eine Art »Anwälte« der Geflüchteten agieren und bei Behörden Leistungen erkämpfen, sind sie häufig politischer als angenommen, sagt Karakayali. Die Engagierten errichten zum Beispiel Versorgungsstrukturen, für die sie eigentlich den Staat in der Verantwortung sehen. Das heutige Engagement gelte vielen als Zeichen gegen den Rechtspopulismus.

Integration wird dabei, so Karakayali, nicht als »einseitige Bringschuld der Migranten“ verstanden, sondern als ein »Aufeinanderzubewegen«. Am Ende werde nämlich im besten Fall auch die Lebenswelt der Engagierten bereichert – so wie bei Thorgen Flor aus Bremen, zu dessen Freundeskreis heute auch Geflüchtete gehören.

(veröffentlicht auf: fluter.de, 30.11.2018, zusammen mit David Niebauer)